RS008 Eine bessere Juristenausbildung - Recht erfolgreicher studieren und verstehen.

Notar Dr. Jens Jeep ist in dieser Folge seines Podcasts "Recht schreiben" erneut zu Gast bei Rechtsanwalt Marc Ohrendorf in dessen Podcast "Irgendwas mit Recht". Weiterer Gesprächspartner ist der frisch examinierte Jurist und Legal Tech Podcatser Felipe Molina.




In dieser Folge geht es um nichts anderes als um die Frage, wie die Juristenausbildung in Deutschland dramatisch verbessert werden kann. Wo liegen die Probleme im aktuellen System? Und wie lassen sie sich lösen?


Dies betrifft sowohl das Gesamtsystem der Juristenausbildung mit derzeit Hochschulstudium, Schwerpunktprüfung, erster staatlicher Prüfung, Referendariat und schließlich zweitem Staatsexamen. Es geht aber auch darum, wie das Studium und das Erlernen der Juristerei an der Uni verbessert werden können.


Notar Dr. Jens Jeep berichtet aus seinen Erfahrungen mit dem Aufbau der privaten Bucerius Law School in Hamburg und entwickelt Ideen für einen anderen Studienaufbau, der im ersten Jahr vor allem auf Kleingruppen und Grundlagenverständnis setzt, weniger auf Vorlesungen und höchstrichterlich entschiedene Problemfälle.


In Bezug auf die Gesamtstruktur der Juristenausbildung schlägt er ein flexibles 4-Stufen-Modell vor: Hochschulabschluss mit Bachelor als Voraussetzung für die Zulassung zu nur noch einem, nur für die reglementierten juristischen Berufen zwingenden und  zudem anspruchsvollerem Staatsexamen, dem ein intensives, aber verkürztes Referendariat folgt, nicht aber noch ein weiteres Staatsexamen. Eine Spezialisierung findet auf Wunsch in einem gesonderten Masterstudium statt.


In einer Stunde Podcast erfahren Studieninteressierte ebenso wie Studierende und aktive Juristen (fast) alles, was man zum Stand der deutschen Juristenausbildung im Jahr 2020 wissen muss.

Das 4-Stufen-Modell in der Zusammenfassung


Das Logo des 4-Stufen-Modells ist zugleich eine vollständige Übersicht über dessen vier Elemente. Es zeigt zudem, auf welche verschiedenen Arten man diese durchlaufen kann. Vielfalt in der Studiengestaltung für jeden statt Zwang zum Volljuristen für alle - das ist der zentrale Leitgedanke: 


Die gestuften Studiengänge nach dem Bologna-Modell und die deutsche Juristenausbildung können hervorragend zusammenpassen: 


1. Stufe: 

Ein juristisches Hochschulstudium endet mit einem eigenen Hochschulabschluss, dem Bachelor of Laws - und nicht mehr wie bisher mit der Ersten Juristischen (Staats-)Prüfung. Die bisherige obligatorische Schwerpunktausbildung während des Hochschulstudiums entfällt. Sie findet optional im Rahmen eines Masterstudium statt. 

2. Stufe:

Entscheidende, besonders anspruchsvolle Zugangsschwelle zu den reglementierten juristischen Berufen (Rechtsanwalt, Richter, Staatsanwalt, Verwaltungsjurist, Notar) ist ein deutschlandweit weitgehend einheitliches juristisches Staatsexamen. Voraussetzung für die Teilnahme daran ist ein (beliebiger, nationaler oder internationaler) Bachelor-Abschluss.  

3. Stufe:

Ein auf das Staatsexamen folgendes  Vollzeit-Referendariat mit vier Stationen von jeweils effektiv drei Monaten ist die einzige weitere Voraussetzung für den Zugang zu den reglementierten juristischen Berufen. 

4. Stufe:

Die juristische Spezialisierung oder die fächerübergreifende Horizont- und Kenntniserweiterung findet in einem ein- bis zweijährigen, optionalen Masterstudiengang statt, der wie bisher auch keine Voraussetzung für den Zugang zu den reglementierten juristischen Berufen darstellt. 

Problemlösungen:

Mit diesem Modell lassen sich zugleich die "klassischen" Probleme der aktuellen Juristenausbildung lösen:  

  • ein fehlender "echter" Hochschulabschluss unter Berücksichtigung der fortlaufenden Leistungen im Studium

  • die häufig zu geringe Einbeziehung der Herausforderungen der Praxis, insbesondere der anwaltlichen Tätigkeit, im Rahmen des Hochschulstudium 

  • die zu früh stattfindende Spezialisierung im Schwerpunktstudium noch vor der Ersten Juristischen Prüfung

  • das - wenn, dann oft späte - endgültige Scheitern in den Examina und die damit verbundene Jobsuche mit "leeren Händen"

  • die zu späte Berufseinstiegsmöglichkeit derjenigen, die keinen reglementierten juristischen Beruf anstreben

  • der faktische Zwang zum Volljuristen auch für diejenigen, die etwas ganz anderes werden wollen bzw. sollten

  • die langen Wartezeiten auf Referendariat und wenigstens zwei Examensergebnisse

  • die mangelnde Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Länderexamina

  • die oft geringe praktische Tätigkeit im Referendariat wegen der Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen

  • die daraus erwachsende zu lange Gesamtausbildungszeit

Mit Bachelor, Master und Staatsexamen zu einer besseren Juristenausbildung!


Mehr zum 4-Stufen-Modell: www.neue-juristenausbildung.de


Verbesserungvorschläge? Total gerne. 

© 2020 by Dr. Jens Jeep, Notar in Hamburg, https://www.rathausmarkt.de/notar-dr-jeep